Unsere Marterln – lebendiges Kulturerbe unserer Marktgemeinde
Wussten Sie, dass sich im Gebiet unserer Marktgemeinde mehr als 25 Bildstöcke, Marterln sowie Weg- und Feldkreuze befinden? Auf den ersten Blick wirken manche unscheinbar, doch jedes einzelne dieser Kleindenkmäler erzählt eine eigene Geschichte, von Glauben und Hoffnung, von Dank und Bitte, von Unglücksfällen, Grenzziehungen, Rechtsprechung und Orientierung in unserer Kulturlandschaft.
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit diesen Zeugnissen volksreligiöser und historischer Kultur. Bereits seit 2013 sind nahezu alle bekannten Marterln unserer Gemeinde auf der Plattform www.marterl.at dokumentiert und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Diese Arbeit erforderte aufwendige Recherchen in Archiven, das Auswerten alter Karten, das Zusammentragen von Bildmaterial sowie zahlreiche persönliche Gespräche. Der Aufwand ist beträchtlich, aber lohnenswert als Dokumentation unseres Kulturerbes für unsere nachkommenden Generationen.
Entstehung und Bedeutung der Marterln
Marterln entstanden niemals zufällig. Ihre Errichtung hatte stets einen konkreten Anlass:
Dankbarkeit nach überstandener Krankheit, ein Gelübde in einer Notlage, die Erinnerung an einen tödlichen Unfall oder an außergewöhnliche Ereignisse. In Zeiten ohne soziale Absicherung und medizinische Versorgung waren religiöse Zeichen ein wichtiger Halt im Umgang mit existenziellen Bedrohungen.
Darüber hinaus erfüllten Marterln praktische Funktionen:
Sie markierten Wege, Kreuzungen und gefährliche Stellen, dienten Reisenden als Orientierung und kennzeichneten Gemeinde-, Herrschafts- oder Pfarrgrenzen. In einer Zeit ohne Straßennamen und Hausnummern waren sie ein wesentliches Element der räumlichen Ordnung. Auch im Zusammenhang mit der historischen Gerichtsbarkeit spielten Kreuze und Bildstöcke eine Rolle, als Mahnzeichen, Erinnerungsorte oder öffentliche Bezugspunkte.
Volksfrömmigkeit und regionale Identität
Als Ausdruck gelebter Volksfrömmigkeit verankern Marterln den Glauben sichtbar im regionalen Umfeld. Die dargestellten Motive wie z.B. Christus, Maria oder zahlreiche Heilige, folgen regionalen Traditionen und spiegeln zeittypische Frömmigkeitsformen wider. Stil, Material und Inschriften geben wertvolle Hinweise auf Entstehungszeit, Stifterkreis und religiösen Kontext.
Gerade in dieser Verbindung von Religion, Alltag, Recht und Landschaft liegt ihre besondere kulturhistorische Bedeutung. Marterln sind damit nicht nur religiöse Zeichen, sondern auch historische Quellen und Träger regionaler Identität.
Dokumentation, Vermittlung und heutige Initiativen
Begleitend zur Dokumentation der Marterln habe ich unter dem Titel „Kulturerbeweg – Nußdorf ob der Traisen, Reichersdorf und Theyern“ mehrere thematische Wanderungen ausgearbeitet. Diese Routen sind über Outdooractive abrufbar und damit mit einem Smartphone zu begehen. Die Wege können mit einem Link über die Homepage unserer Marktgemeinde heruntergeladen werden.
Ein besonderer Dank gilt auch den Initiatoren der Pilgerwanderungen der letzten Jahre, Sylvia und Hans Ströbitzer, die mit ihrem engagierten Team vielen Interessierten die Geschichte zahlreicher Marterln, Kirchen usw. unserer Gemeinde nähergebracht haben.
Dass dieses Kulturerbe weiterhin lebt, zeigen auch aktuelle Restaurierungsinitiativen: das Weiße Kreuz in Neusiedl, erneuert 2023 auf Initiative von Frau Helma Steurer, ebenso wie das derzeit in Renovierungsarbeit befindliche Marterl an der Kreuzung Franzhausen Richtung Fräuleinmühle, ermöglicht durch Frau Frau Dr. Ingeborg Haslhofer-Jünnemann. Solche Beispiele zeigen eindrucksvoll, wie Verantwortung für das kulturelle Erbe heute übernommen werden kann und wird.
Unsere Marterln sind stille Zeugen der Vergangenheit und zugleich ein lebendiger Teil unserer Gemeindeidentität. Ihr Erhalt und ihre bewusste Wahrnehmung leisten einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung unseres Kulturerbes für kommende Generationen.
Ausführliche Einzelbeschreibungen, Bilder und historische Hintergründe finden Sie auf www.marterl.at.
Link:
Kulturerbeweg Nußdorf ob der Traisen: www.outdooractive.com
Kulturerbeweg Reichersdorf: www.outdooractive.com
Kulturerbeweg Theyern: www.outdooractive.com
Quellen
- Bundesdenkmalamt Österreich: Kleindenkmäler in der Kulturlandschaft.
- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Niederösterreichs.
- Ernst Burgstaller: Bildstöcke, Wegkreuze und Marterln in Niederösterreich, Wien.
- Karl Puchinger: Volksfrömmigkeit und religiöse Kleindenkmäler, Salzburg.
- Online-Dokumentation: www.marterl.at
- Sammlung Walter Pernikl
Bericht: Walter Pernikl