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Entstehung/Geschichte

 
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Entstehung und Geschichte


ENTSTEHUNG Museumsgebäude

Ehemaliges Schloss und heutiges Schlosskellergebäude


Zur Herrschaft des erstmals um 1121/1138 als NUZDORF genannten Ortes gehörte um 1800 nicht nur Nußdorf ob der Traisen selbst, sondern auch Franzhausen, Reichersdorf und Dürnrohr im Tullnerfeld. Ihr zentraler Sitz war die Burg, aus der das spätere Schloss hervorging. F. Schweickhardt beschreibt es 1836: "Das Schloss ist ein einstöckiges Gebäude mit einer zur Kirche gerichteten Hauptfront und zwei . Seitenflügeln . Über dem Mittelteile erhebt sich ein Türmchen. Vor dem Schloss befindet sich die herrschaftliche Meierei samt Stallungen." Das Schloss wurde 1860 - 64 abgetragen (Stelle des 1969/70 errichteten Kindergartens); Nebengebäude und das Tor blieben erhalten. Aus den gewonnenen Bausteinen wurde das Schlosskellergebäude in biedermeierzeitlichem Stil aufgeführt; die Fassade wurde später in historistischen Formen umgestaltet.

Nach der vollständigen Renovierung des Schlosskellergebäudes und der Errichtung der Schauräume im Obergeschoß wurde am 30. Mai 1993 das URZEITMUSEUM NUSSDORF ob der Traisen feierlich eröffnet.

Univ. Prof. Dr. J. W. Neugebauer (1949 - 2002) leitete für das Bundesdenkmalamt die Grabungen im Unteren Traisental. Zusammen mit seiner Frau Dr. Christine Neugebauer-Maresch und Bürgermeister Horst Völkl verwirklichte er die Idee einer musealen Präsentation.




GEOLOGIE des Traisentals


Vor etwa 1,7 Millionen Jahren begann dann das pleistozäne Eiszeitalter mit etwa 17 relativ regelmäßig wiederkehrenden Kältevorstößen. Der Zyklische Klimawechsel hat in den österreichischen Landschaften deutlich erkennbare Spuren hinterlassen, wie den Gletscherschliff der Hochgebirge, das Ausschürfen der alpinen Täler und das Anhäufen der Endmoränenwälle. In den Kaltzeiten haben die Flüsse im Gletschervorland mit den Materialien aus den Moränen weite Schotterflächen, die heutigen Flussterrassen, aufgeschüttet. In den Warmzeiten führten dann die Gerinne viel Wasser, doch relativ wenig Schutt; sie schnitten daher tiefe Rinnen in die Schotterebenen. Nachdem die nächste Kaltzeit Schotter auf dem abgetieften Niveau ablagerte, entstanden aus den Wechselwirkungen von Kalt- und Warmzeiten die getreppten Terrassen der voralpinen Flüsse.

Ein Musterbeispiel dafür ist der Unterlauf der Traisen, der durch die Stufen von älterer und jüngerer Decke, Hoch- und Niederterrassen deutlich geprägt ist. Mit Ausnahme der Niedertrasse sind die höheren Flächen jedoch mit Löß überlagert. Diese Areale, die mit einer baumlosen Steppenvegetation bedeckt waren und vor dem Eisrand lagen, wurden unter subarktisch-kontinentalen Klimabedingungen mit feinem Staub zugeweht. Dieser wurde vom zumeist vorherrschendem Nord-West- Wind aus den Überschwemmungsgebieten der Flüsse und aus den Moränen heraus geblasen und vor allem an Süd- Osthängen angelagert. Die so entstandenen typischen Lößlandschaften, mit oft mehreren Metern mächtigen Schichten (Straten), wie in der Wachau, in der Umgebung von Krems und im Unteren Traisental, stellen den Lebensraum der Eiszeitlichen Jäger und SammlerInnen dar.



RETTUNGSGRABUNGEN der Abteilung für Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes im unteren Traisental und das Urzeitmuseum


Die bislang großflächigsten und ertragreichsten archäologischen Ausgrabungen auf dem Gebiete der österreichischen Urgeschichtsforschung sind sog. Rettungsgrabungen und nicht vorgeplante Forschungsunternehmungen. Sie wurden im Zentralraum Niederösterreichs 1978 durch Schotterabbauten in Gemeinlebarn, Stadtgemeinde Traismauer, bzw. in unmittelbarer Aufeinanderfolge 1981 bis 1983 durch die Errichtung der Kremser Schnellstraße S 33 zwischen Krems-Hollenburg und St. Pölten notwendig. Doch auch nach der Eröffnung des neuen Verkehrsweges brachten gewaltige Kieswerke und Großbauprojekte laufend archäologische Untersuchungen bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit sich. Zu den massiven Eingriffen in die überkommene Kulturlandschaft zählen sowohl bäuerliche Grundstückszusammenlegungen mit "Flurbereinigungen", und Weingartenterrassierungen, aber auch Brücken-, Straßen- und Güterwegbauten sowie Kanal- und Leitungsverlegungen.

Zwischen 1978 und 1998 wurden dermaßen über 100 bislang weitgehend unbekannte Fundstellen geortet, dokumentiert und großflächig ergraben. Hierbei wurden vielfach nicht nur Gräberfelder mit tausenden Bestattungen, sondern auch nahe gelegene, zugehörige Siedlungsareale erschlossen. Dadurch wurde es möglich, im Zentralraum Niederösterreichs Grundsätze urzeitlicher Siedlungsgeographie, vor allem auf dem Gebiet der Bronze- und frühen Eisenzeit, zu erkennen.

Während die Feldarbeiten zumeist gesetzeskonform mit Mitteln des Bundes, des Landes, der Kommunen und privater Sponsoren mit mehr oder minder großer Bereitschaft und Akzeptanz der Betroffenen und Beteiligten durchgeführt werden konnten, war es im Unteren Traisental - trotz gelegentlich geäußerter Kritik - naturgemäß weder möglich noch sinnvoll (und vor allem von den Bauherrn nicht erwünscht) in Straßentrassen, Schotterwerken, Gebäude- und Industriekomplexen - von geringen Ausnahmen abgesehen - Originalsituationen an Ort und Stelle zu belassen und museal zu gestalten. Eine Sonderherstellung in diesem Zusammenhang nimmt das S 33-Denkmal auf einem Rastplatz der Kremser Schnellstraße bei Traismauer-Wagram ein. Der an einen römischen Meilenstein erinnernde Oberteil ruht auf einem Fundamentblock, dessen bronzene Verkleidungen mit Motiven nach beim Straßenbau geborgenen keltischen Kleinkunstwerken gestaltet sind.

Im Gegensatz zu anderen ähnlich gelagerten Unternehmungen konnten die zuständigen Stellen von der immensen Bedeutung der erzielten Ergebnisse für die Prähistorie relativ rasch überzeugt werden, sodass im Rahmen mehrere Projekte des Österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung bereits erschlossene Fundplätze interdisziplinär aufgearbeitet und ausgewertet werden konnten. Resultate dieser Bemühungen sind mehrere Habilitationsarbeiten, Dissertationen und Diplomarbeiten, die in Form von Monographien vorgelegt werden konnten, sowie eine populärwissenschaftliche Zusammenfassung in Buchform. Weiters wurden 1987, 1992 und 1996 im Raum von St. Pölten, Herzogenburg und Traismauer international ausgezeichnet besetzte Fachtagungen abgehalten. Fünf Sonderausstellungen, darunter "Mensch und Kultur der Bronzezeit" (zusammen mit dem Naturhistorischen Museum) und "Die Kelten im Osten Österreichs" (Schloss Pottenbrunn) informierten in Verbindung mit entsprechenden Katalogen viele tausend Besucher in Österreich, Ungarn und Tschechien.

Als Folge dieser Aktivitäten tauchte in breiten Kreisen die Frage nach einer adäquaten Präsentation der erzielten Erkenntnisse im Raum selbst auf. Wobei die Marktgemeinde Nußdorf ob der Traisen, die mit den Fundstätten in ihrer Katastralgemeinde Franzhausen den Löwenanteil beitrug, ihr repräsentatives Schlosskellergebäude als Standpunkt in Sichtweite der genannten Grabungsfelder anbot. Dieses von ECO-Plus, Bund und Land NÖ, von privaten Sponsoren und der Marktgemeinde finanzierte "Urzeitmuseum" sollte vom Konzept her nicht der Lagerung der äußerst umfangreichen Materialien dienen, sondern der Zurschaustellung ausgewählter, aussagefähiger und nach zeitlichen Kriterien geordneter Komplexe in ihren Zusammenhängen. Es wurde also bewusst auf ein Anfüllen der Vitrinen mit möglichst vielen Töpfen, Messern, Fibeln oder sonstigen Sachgütern zugunsten der Darstellung etwa gesamter Speiseservice oder Trachtausstattungen, verzichtet.

Um den Mangel von am Ausgrabungsort besichtigbaren Objekten im Traisental wenigstens etwas wett zu machen, wurden einige charakteristische Originalsituationen, etwa Hockergräber, übertragen. Diesen wurden zudem reiche Fotodokumentationen an die Seite gestellt, die zusammen mit einem Videofilm tiefere Einblicke in die Arbeitsweisen und Ergebnisse der Prähistoriker ermöglichen. Darüber hinaus entschieden sich die Gestalter im Bewusstsein der Aversionen mancher Fachkollegen auch für die Rekonstruktion von Personen und Lebensbildern in Originalgröße. Die häufig geäußerte Angst vor glaubwürdigen Rekonstruktionen wird durch minutiöse Beobachtungen im Zuge der Grabungen und Auswertungen (Alter- und Geschlechtsbestimmungen, Art- und Lage von Trachtbestandteilen, Stoffreste, zoologischer und botanischer Reste, Weinkorn!) minimiert.



Rundgang durch den Haupt- und seitlich anschließenden Sonderausstellungsraums


Der Rundgang durch den Hauptraum ist nach den Epochen der Urzeit gegliedert: er reicht von den Stationen der altsteinzeitlichen Jäger und Sammler mit den entsprechenden Resten von Eiszeittieren auf den lößbedeckten Hängen der das Traisental begleitenden Höhenzüge über die ersten festen Ansiedlungen jungsteinzeitlicher Bauern auf dem Hoch- und Niederterrassen bis zu den bronze- und eisenzeitlichen Weilern und Dörfern mit den Zugehörigen riesigen Gräberfeldern vor allem auf den hochwassersicheren Niederterrassen.

Ideale naturräumliche und in der Folge wirtschaftliche Voraussetzungen und die Nähe zu wichtigen Handelsstraßen, etwa die Nord-Süd-Route durch das Traisental, stellten für die Menschen der Metallzeiten eine verstärkte Anziehungskraft das. So entstand nach und nach ein für mitteleuropäische Verhältnisse außergewöhnlicher Ballungsraum. Einen besonderen Höhepunkt erlebte die Siedlungs- und Bestattungstätigkeit im Unteren Traisental zunächst in der (Früh-) Bronzezeit und später in der Eisenzeit. Von den Zentren im Raum von Gemeinlebarn, Nußdorf ob der Traisen, Inzersdorf-Getzersdorf, Herzogenburg, Unterradlberg und Pottenbrunn ist jenes im Bereiche der Schottergruben der KIES-UNION in Franzhausen das bedeutendste.


Rechtsträger

Marktgemeinde Nußdorf ob der Traisen
Bürgermeister Ing. Heinz Konrath


Wissenschaftlicher Leiter des Museums und der Ausgrabungen des Bundesdenkmalamtes

Mag. Christoph Blesl


Förderer

Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
Bundesdenkmalamt
Fonds zur Förderung zur Wissenschaftlichen Forschung
Niederösterreichische Landesregierung
Regionalisierungsgesellschaft ECO - Plus


Private Hauptsponsoren

Firma Kies - Union
Firma Swietelsky
Firma Weber
Firma Grundmann
Firma KR.Rudolf Leiner


Planung

Arch.Dipl.Ing Hedwig Thun
Arch.Mag.Günther Pigal


Innenplanung und Gestaltung

Dr. Christine Neugebauer - Maresch
und zahlreiche Teilnehmer der Ausgrabungen.


Fotos

Bundesdenkmalamt, Alice Schumacher, Herbert Fasching,
Doz. Dr. Franz Zwittkovits


Leihgeber

Bundesdenkmalamt
Naturhistorisches Museum
Anthropologische und Paläontologische Abteilung
Niederösterreichisches Landesmuseum
Museum Traismauer
Fam. Graf Bubna-Litic, Fam. E. Pernikl, Ing. W. Wöginger


Begleitbuch

Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten


Kurzführer

Fa. E. Brandl, Traismauer


Links

Bundesdenkmalamt:

http://www.bda.at

Entstehung Talgeschichte:http://www.geologieinfo.de/palaeokarten/heute.php
 
 
 
Nußdorf ob der Traisen